vebidoo und die Folgen des EuGH-Urteils

Millionen Menschen nutzen Soziale Netzwerke und stellen eine gigantische Menge an persönlichen Daten online. Suchmaschinen, ganz egal ob ein Big-Player wie Google, oder Spezialsuchmaschinen wie die Personensuche vebidoo, greifen auf diesen Datenbestand zurück, solange dieser öffentlich im Internet auffindbar ist.

Seit Jahren diskutieren Gesetzgeber, Datenschützer, und Bürger, welche Beschränkungen, welche Freiheiten Suchmaschinen in Deutschland, in der EU, weltweit haben dürfen – oder eben auch nicht.

Zahlreiche Urteile haben die Bedeutung von Suchmaschinen gewürdigt und bislang für eine Rechtsicherheit im Umgang mit Personendaten gesorgt. So wurde vom Pariser „Tribunal de Grande Instance“ im Mai dieses Jahres eine Klage gegen Vebidoo wegen angeblich unerlaubter Veröffentlichung eines Personenfotos abgelehnt.

Nahezu gleichzeitig sorgte aber ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) für Aufsehen: Der Mensch hat ein „Recht auf Vergessen“! Was dieser Mensch konkret gemacht hat, ist dabei unerheblich. Suchmaschinen müssen auf Antrag bestimmte Informationen löschen bzw. dürfen diese nicht im Suchindex listen und zur eigentlichen Quelle verlinken. Dort, an der Quelle der Information, dürfen diese Daten aber auch weiterhin angezeigt werden. Oder anders ausgedrückt: Die Daten sind weiterhin öffentlich, nur finden darf man sie nicht mehr so leicht.

Wie wird nun eine Personensuchmaschine wie vebidoo von diesem Urteil beeinflusst?

Erfreulicherweise kaum. Nur vereinzelt berufen sich Nutzer in Löschanfragen auf das Urteil. Bei aktuell gut 6 Millionen Besuchern aus D-A-CH pro Monat, liegt die Quote der „EuGH-Anfragen“ im sehr geringen Promillebereich.

Vebidoo ist international. Die Nutzer sind international. Datenschutz scheint aber speziell in Deutschland ein brisantes Thema zu sein: Statistisch liegt der Anteil der Löschanfragen aus Deutschland auf Basis des EuGH-Urteils um den Faktor 12 höher, als bei Nutzern von vebidoo.es (Spanien). Rund 6% der vebidoo.de Nutzer stammen aus Österreich, aber nur 0,6% der Löschanfragen kommen aus der Alpenrepublik. Die Schweiz stellt etwa 5%, jedoch nur 0,1% der Löschgesuche.

Auffallend ist, dass kaum einer der Antragsteller das Urteil korrekt interpretiert. Beispiele:

„[…] Bitte löschen Sie sofort mein [öffentliches] XING-Profil […]“ oder „[…] Bitte entfernen Sie alle Treffer zu meinem Namen aus dem Internet. Sie haben hierfür 2 Stunden! […]“.

Nun obliegt es laut EuGH dem Suchmaschinenbetreiber, zu prüfen, ob ein Antrag gerechtfertigt ist. Das jedoch ist kaum möglich. Es sollen ja eigentlich nur Informationen gelöscht werden, die – um es vereinfacht zu sagen – dem Nutzer schaden oder zwischenzeitlich nicht mehr relevant sind. Ein aktuelles Profil eines Businessnetzwerkes wie XING ist aber kein Schaden, oder doch? Und Daten aus dem Internet löschen kann eine Suchmaschine nun auch nicht. Nur den Weg zum Auffinden dieser Daten kann sie verkomplizieren.

Vebidoo ist vor vier Jahren angetreten, um Transparenz zu schaffen:

Mit einem Klick weiß jeder, was das Internet, also die digitale Öffentlichkeit, über ihn weiß. Nun müssen unliebsame Informationen aus dieser Übersicht entfernt werden – einen „Nutzen“ davon habe aber nur Wenige, sei es der Kinderschänder oder der Anlagebetrüger, da deren digitale Vita nun reingewaschen wird. Gefühlte 99% der Internetnutzer haben keine „löschfähigen“ Daten und somit auch keinen Nutzen – auch wenn dieser ihnen vorgegaukelt wird. Alles nur heiße Luft?

„Insgesamt ist eine diffuse Beunruhigung und Orientierungslosigkeit der Bevölkerung gegenüber dem digitalen Netz festzustellen“, so das Fazit der Studie „Freiheitindex 2014“, den das Institut für Demoskopie Allensbach im Oktober 2014 veröffentlichte. 67% der Befragten haben demnach Angst vor Online-Überwachung, knapp 80% beobachten sogar, dass „andere Nutzer“ zu sorglos mit persönlichen Daten umgehen. Aber nur 23% verschlüsseln eigene Daten und E-Mails. Und nur 6% haben bei Unternehmen aktiv nachgefragt, welche Daten dort gespeichert sind. Meist finden Menschen unliebsame Daten übrigens mit Hilfe von … genau: Personensuchmaschinen!

Unterm Strich wurde durch das Urteil vieles komplizierter, im Alltag geändert hat sich aber kaum etwas. Lediglich die Sensibilität für das Thema „persönliche Daten“ ist gewachsen, was mittelfristig hoffentlich dazu führen wird, dass mehr Menschen von sich aus darauf achten, welche Daten sie (freiwillig) veröffentlichen oder welche sie lieber nur lokal auf der Festplatte speichern. Immerhin etwas Positives.

Das Arbeiten mit Personendaten bleibt also trotz oder gerade wegen „Recht auf Vergessen“ weiterhin spannend – gut für alle Beteiligten, gut für vebidoo.